Mittwoch, 11. Juli 2012

Satire oder bloss Häme?

Ich mag den Papst nicht und ich mag die katholische Kirche nicht. Ich mag überhaupt alle religiösen Institutionen nicht. Trotzdem kann ich nachvollziehen, wenn der Papst das Titelbild und die Rückseite einer Satirezeitschrift verbieten lassen will. Es zeigt ihn mit Fleck auf der Soutane, vorne gelb und hinten braun, dort, wo jeder genau das assoziiert, was damit gemeint ist.
Auf den ersten Blick ist das sogar witzig, denn es geht um das Leck im Vatikan, das die internen Mauscheleien und Machtkämpfe zu Tage gebracht hat, die doch sonst so geschickt unter den frommen Mäntelchen kaschiert werden. Trotzdem hat mich der Vergleich unangenehm berührt. Warum eigentlich? Habe ich Mitleid mit dem Papst? Sicher nicht, der hat schon zu viel Schaden angerichtet, als dass man ihn schonen müsste. Warum also?
Ich glaube, was mich an dieser Darstellung stört, ist die Häme. Die Darstellung zielt nicht auf die Zustände im Vatikan, sondern auf die Person, ob gewollt oder ungewollt, spielt keine Rolle. Im Nachhinein zu flapsen, es handle sich um einen Limonadefleck, ist zu billig. Die Darstellung impliziert, dass der Papst (als verantwortlicher Vertreter der Institution) in die Hosen, oder besser in die Soutane gepisst und geschissen hat, obwohl nicht er das Leck war, sondern einer seiner Vertrauten. Selbst, wenn die Darstellung aussagen will, er habe die Kontrolle verloren und das Leck nicht verhindern können, trifft der Vergleich nicht zu. Der Papst ist für die Zustände verantwortlich und nicht für das Leck. Und deshalb verletzt die personifizierte Darstellung meiner Meinung nach tatsächlich die Würde des Dargestellten, ob er nun der Papst sei oder nicht. Für mich ist der Vergleich bloss geschmacklos und hat nichts mit guter Satire zu tun.
Satire darf (fast) alles, sie darf böse, zynisch, bitter, scharf und schonungslos sein, sie muss es sogar. Wird sie geschmacklos, verliert sie den geistreichen Biss, der sie auszeichnen sollte.

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