Montag, 23. April 2012

Entlarvte Bergidylle

Ich freue mich immer, wenn ich etwas lese und dabei denken kann: Genau! Endlich sagt es jemand! Im heutigen Tagi ist ein Interview mit der Regisseurin Ursula Meier zu ihrem neusten Film "Sister" erschienen. Sie sagt darin, sie finde den Heimatfilm-Trend der letzten Jahre beängstigend. Auf die Frage, was sie daran beängstigend finde, antwortet sie:  "Diese Rückbesinnung auf ein Bild der Schweiz als einer Insel - als wäre dieses Land ein kleines Paradies auf Erden. Oder auch diese Fixierung der Filme auf die Bergwelt: Sei das nun ein beschönigender Postkartenblick oder sei es, dass die Figuren im Gebirge zu sich selbst finden - das ist lächerlich. Die Berge sind immer auch eine Sackgasse."
Genau! Es gibt nicht nur die heere Bergwelt, Berge sind auch bedrohlich. Und das Leben in den Bergen ist nicht nur idyllisch, sondern hart und oft auch entbehrungsreich. Und viele Berglandschaften sind nicht schön, sondern kahl und abweisend. Und so manche Landschaft ist durch entsetzlich hässliche Häuser verschandelt, in denen ein engstirniger Geist herrscht. Mein Vater ging mit uns oft in die Berge, mir sind von vielen Ausflügen vor allem die engen Täler mit den hässlichen Häuser in Erinnerung geblieben, bei denen ich jedes Mal gedacht habe, ich könnte hier nicht wohnen.
Der Film läuft ab Donnerstag im Kino. Ich werde ihn sicher anschauen.



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